Redwoods - die alten Riesen
Der Hwy 299 führt direkt von
"Redding" nach "Eureka". Westlich von "Redding" führt
der Hwy 299 eine Zeit am "Whiskeytown Lake" entlang. Nix mit baden - nur
Hausboote, wie am Shasta Lake. Die Strecke war landschaftlich ganz nett und
"Weaverville" hat uns begeistert. Es war wieder eine dieser hübschen
Provinzstädte mit diesem besonderen Charme. Die Main Street sieht aus wie aus einer
amerikanischen Fernsehproduktion. Geschäfte mit hölzernen Arkaden laden zum Bummel ein.
Das Goldgräbermuseum zeigt seine Freilicht-Exponate und informiert sehr anschaulich über
den Goldrush im Norden Kaliforniens. Hier, in "Weaverville", steht ein schöner
kleiner chinesischer Tempel und erinnert in einer Ausstellung an die besonderen Leiden der
chinesischen Arbeiter beim Goldschürfen.
(Im September 2001 wäre Weaverwille bei einem Waldbrand beinahe abgebrannt
- es wurde gerettet!)
Von "Junction City" bis "Willow Creek" führt die Straße direkt am
"Trinity River" entlang. Dies ist ein sehr schönes und abwechslungsreiches Tal.
Mal ist es enger, dann öffnet es sich wieder und es gibt zahlreiche Gelegenheiten zum
Rafting und Campen. Nach "Willow Creek" geht es abwärts zum Pazifik.
Nebelbänke (ganz Dicke !) ließen das Meer in der Ferne ahnen. In "Arcata" war
es geschehen: keine Sonne, Küstennebel. Die heißen Tage des "Central Valley"
sollten vorbei sein.
Trotz einer gemütlichen Fahrt war an diesem Tag noch etwas Zeit. Wir bogen auf dem Hwy
101 ab nach Norden in den "Redwood National Park". Der "Redwood
Hwy" traf bei der "Big Lagoon" das erste Mal den Pazifik und es war
beeindruckend. Grauer Himmel, graues Meer und Nebelschwaden fegten vom Wasser aus über
das Land. Die Luft war rau und salzig. Selten fand ich schlechtes Wetter so faszinierend.
Das "Redwood Information Center" vor "Orick" gab uns eine
erste Orientierung über die Wandermöglichkeiten in den Redwood-Wäldern. Bestens mit
Karten und Infos versorgt ging es zum "Lady Bird Johnson Grove". Der
Rundweg im "Grove" (Gehölz) ist als Lehrpfad angelegt und dauert etwa 45
Minuten. Wer sich wirklich für die Küsten-Redwoods interessiert sollte diesen Weg
laufen. Im Gegensatz zu den Sequoias im Yosemite-Park sind diese hier schlank und gerade
gewachsen. Die Höhe, auch hier im "Grove", ist beachtlich. Im Alter stehen sie
denen im Yosemite in nichts nach. Bei der Geburt Jesus waren manche Bäume schon über
hundert Jahre alt. Noch etwas hat uns sehr erstaunt: Rhododendron - bei uns fast immer nur
Strauch oder Hecke - wächst hier wie Bäume als Unterholz. Leider war die Blüte der
Rhododendron schon vorbei. Farne und Moose wucherten üppig und grün. Der erste Kontakt
mit den alten Riesen war gemacht und es war nun schon empfindlich kühl.
Das Hotel in "Eureka" war schnell gefunden und der Hunger trieb uns mit
Pullover und Jacke hinaus in die "Historic Old Town" zum Essen. So dachten wir.
Leider hielt "Eureka" nicht das Mindeste der Versprechungen sämtlicher
Reiseführer. Zwar sind viele Häuser entlang der "Second/Third St" schön
restauriert, aber niemand läuft hier rum und alles ist zu (17.oo Uhr). Es gibt
kaum vernünftige Lokale oder sind hoffnungslos überteuert. Schade ! Die "Historic
Downtown" haben wir uns gleich geschenkt.
48o F in Eureka.
Natürlich gab es auch gute Sachen: "Carsion Mansion" und "Pink Lady"
sind schon sehenswert. Das "Samoa Cookhouse" ist zwar kein kulinarisches
Erlebnis, aber das Ambiente einer Holzfällerkantine ist schon interessant.
Diese Stadt und das Wetter machen auf Dauer offenbar melancholisch und sonderbar. Nicht
von ungefähr ist hier die "Lost Coast". Und die versammelten Typen der
"Verloren Küste" konnten wir bestaunen. Die "Yardbirds" (die Alten
werden sie kennen) gaben ein Konzert: umsonst-und-draußen. Einige hundert waren mit ihren
eigenen Stühlen gekommen und tanzten vor der Bühne ihren eigenen Stil. "Lost
Coast": der normale Weiße, ein paar Indianer, betrunkene Männer und Frauen mit
braunen Papiertüten, alte Männer mit Zöpfen, schicke Typen und sogenannte Penner. Wie
in einem Panoptikum. Plötzlich schaute sogar die Sonne zu.
Auf unserer Fahrt in den "Prairie Creek Redwood State Park" hatten wir
unsere erste Begegnung mit den "Roosevelt Elks". Direkt neben dem Redwood Hwy
grasten an einem Bach etwa 15 Tiere. Dabei waren auch einige stattliche Männer. Diese
großen Tiere können bis zu fünf Zentnern wiegen.
In diesem Teil des Parks gibt es die Bestände mit den ältesten Bäumen. Unser erster Weg
führte uns entlang des "Lost Man Creek". Auf halber Strecke
zwischen "Orick" und dem Visitor Center zweigt die Zufahrt vom Hwy 101 nach
links ab. Ein ziemlich komfortabler Waldweg schlängelt sich entlang des Baches ohne
jedoch einen wirklichen Höhepunkt bieten zu können. Nach etwa einer Stunde brachen wir
diesen Weg ab.
Klasse war es im "Fern Canyon". Vom Hwy 101 zweigt die
"Davision Rd" ab und führt über eine holprige Strecke zum Pazifik. Der Wind
war ziemlich frisch und die Luft feucht und salzig. Wie an anderen Stellen des Strandes
hatten sich auch hier riesige Haufen Treibholz gesammelt. Von kleinen Ästen bis hin zu
großen Stämmen hatte sich der Ozean eine Sammlung angelegt. Entlang der Küste geht es
zum Parkplatz des "Fern Canyon". Unmittelbar neben der Piste standen plötzlich
zwei kolossale "Roosevelt Elks" mit großen Geweihen und ästen in den Dünen.
Es sollte für heute nicht unsere letzte Begegnung mit diesen Tieren sein.
Der "Fern Canyon" ist zauberhaft. Durch eine kleine enge Schlucht windet sich
ein schmaler Bach. Die Wände der Schlucht sind mindestens zehn Meter hoch und mit fettem,
grünen Farn bewachsen. Der Weg führt an manchen Stellen durch den Bach oder unter
umgestürzten Bäumen hindurch. Am Ende des Canyon führt der Weg leicht einen Hang
hinauf und zurück zum Parkplatz.
Wie schon gesagt: zauberhaft !
Da der Rundweg (Loop) durch den Canyon nicht sonderlich lang war, wollten wir den "Coastel
Trail" an der Küste entlang laufen. Dieser Trail beginnt ebenfalls am Parkplatz
zum Canyon. Ein schöner kleiner Weg führte durch Salzwiesen und Dünen zum Pazifik. Vor
uns graste friedlich eine Elchkuh, dort war noch eine mit ihrem Kalb. Da waren plötzlich
ganz viele und wir mitten drin. Die Elche hoben ihr Geweih und beäugten uns. Den Rat der
Ranger, meidet Rudel mit Jungtieren, hatten wir im Ohr und traten den geordneten Rückzug
an. Der "Coastel Trail" wäre bestimmt schön gewesen.
Auf dem Rückweg nach "Eureka" besuchten wir den "Patrick´s Point State
Park". Hier gibt es einen Rim-Trail entlang des Meeres. Verschiedene Overlooks
(Mussel Rock, Wedding Rock, Patrick´s Point und Rocky Point) boten tolle Ausblicke auf
die krachenden Wellen des Ozeans. Kleine Klettereien verschafften zusätzliches
Vergnügen, da man an der felsigen Küste bis zum Pazifik hinab steigen kann. Die Gewalt
der Wellen war enorm.
Über den "Patrick`s Point Drive" fuhren wir nach "Trinidad". Genau
wie "Somoa" liegt auch Trinidad in Kalifornien. In der "Trinidad Bay"
befindet sich ein kleiner Naturhafen für Krabbenfischer und auf der Mole tummelten sich
zwei niedliche Seeotter.Es war wieder ein trüber, nebliger und kühler Tag. Schön war es
trotzdem.

Der "High Bluff Overlook" sollte unsere nächste Station sein. Eine Meile
vor dem Prairie Creek Visitor Center zweigt der "Newton B. Grury Scenic Pkwy"
vom Hwy 101 ab und führt weiter zum "Coastel Drive". Der "Scenic
Parkway" verbreitete eine eigenartige Stimmung. Nebelschwaden zogen durch den Wald,
von den alten Riesen waren nur die Stämme und keine Wipfel zu sehen, die Farne waren
riesig und permanente Feuchtigkeit durchdrang alles. Der Helligkeitssensor unseres Autos
schaltete automatisch das Licht ein und die Scheibenwischer mußten manchmal für den
Durchblick sorgen.
Sollte es so bei der Erschaffung der Welt gewesen sein ? Auf dem "Coastel Drive"
verloren wir endgültig den Aus- und Überblick im dichten Nebel. Der Abstecher nach
"Klamath" war mehr als überflüssig.
Auf dem Rückweg über den "Scenic Parkway" gab es irgendwo eine Tafel für den "Hoop
End Trail". Wir hatten keine Ahnung was uns erwartet, aber wir wollten wieder mal
richtig laufen. In den nächsten zwei Stunden (5,6 km) präsentierte sich uns
einzigartiger Wald. Der Trail führte ständig hoch und wieder runter. An machen Stellen
war er schon wieder überwachsen oder führte unter den Wurzeln der mächtigen Redwoods
hindurch. Rhododendron und Farne wucherten üppig im Unterholz. Stille, endlose Stile.
Nadeln und Moos dämpften jeden Schritt. (Das Imperium schlägt zurück : jeden
Moment könnte Luke Skywalker auf einem Speederbike auftauchen.) Der Nebel wurde etwas
lichter, aber diese diffuse Stimmung blieb. Wir überlegten, wie es hier wohl mit heller
Sonne wäre. Später aber merkten wir: ohne Nebel ist dies alles nur die Hälfte. Redwoods
und Nebel - das ideale Paar.
Dieser Trail war einer der Höhepunkte im "Redwood National Park".
Kurz vor dem Visitor Center beginnt der "Big Tree Circel" und führt auf
einem kleinen Spaziergang an mächtigen Bäumen und einem der höchsten Redwoods vorbei.
Der Nebel verflog und die Sonne zeigte sich zaghaft. Die ersten Sonnenstrahlen an der
Redwood-Küste animierten uns zu einem Picknick an der "Elk Meadow". An
der Abzweigung der "Davision Rd" vom Hwy 101 ist ein Musterbeispiel von
Renaturierung verwirklicht. Auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerkes wurden eine
Wiese und ein großer Weiher angelegt. Die Natur hat sich mittlerweile das Areal zurück
geholt und im hohen Gras äsen wieder die "Roosevelt Elks". Der Anblick dieser
Tiere ist fast schon normal - die gibt es hier mittlerweile fast überall.
Am "Redwood Information Center" bei Orick beendeten wir den Tag mit
einem Strandspaziergang. Am Info-Center gelangt man leicht zum Strand und in
nördlicher Richtung schließt sich eine kleine Lagune an. Hier könnte man endlos laufen.
Die Küstenlinie ist ziemlich gerade und lässt den Reiz dieser Pazifik-Küste besonders
gut erkennen. Das Land bricht zum Meer hin an einer Kante steil ab. Unten führen Stein-
oder Sandstrände zum Wasser und vor der Küste brechen kleine und große Felsen die
Wellen. Riesige Haufen von Treibholz zeugten von der Macht der Winterstürme. Eine Schar
Pelikane fischte in der Nähe des Strandes und zwei Seehunde ließen sich in der Brandung
treiben.
Voll die Natur - schön !
Die Sonne verschwand und die abendliche Kühle machte sich wieder bemerkbar.
Wir hatten feuchte, kühle und neblige Tage im Norden, aber es waren auch reizvolle Tage.
Der nördlichste Punkt unserer Reise war erreicht - wir folgten dem Hwy 101 wieder nach
Süden.
Tip:
"Eureka" ist sicherlich kein Geheimtip, aber als Ausgangspunkt für den
"Redwood National Park" ganz gut. "Stanton`s Restaurant" (Ecke 5th/L
Street) bietet gutes und günstiges Essen. In der Nähe sind Burger King und McDonald. Wir
hatten im Juli in "Eureka" an einem Abend 10o ! Etwas wärmere
Kleidung ist sicherlich von Vorteil, Wanderausrüstung ebenfalls.
Die besten Infos und Karten gibt es im "Redwood Information Center" am Hwy 101
vor "Orick". Der "Prairie Creek Redwood Park" kostete pro Tag 2,50
Dollar - alle Wege eingeschlossen.
Leider gibt es, wie schon am "Tahoe" und "Lassen" zu wenig Loops
(Rundwege).
Beklagt euch nicht über den Nebel, laßt ihn auf euch wirken. Die Stimmung entsteht aus
dem Düsteren.
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