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Autofahren und Regeln in den USA

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Juni 29, 2014 von USAGoWest.de

Freeway in Amerika

Autofahren in den USA – für manche ein Greuel, für manche ein untrügliches Zeichen des American Way of Life, der Freiheit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Die Meinungen reichen von “rücksichtsvoller und vorsichtiger” bis hin zu “totalem Durcheinander, in dem die Verkehrsregeln nur dazu da sind, um so oft wie möglich
gebrochen zu werden”.

Freies Land, freie Fahrt in Amerika

Wer Amerika nicht nur per Flugzeug oder mit der Eisenbahn bzw. dem Greyhound-Bus erkunden, sondern auch individuelle Touren gestalten möchte, der wird sich fast zwangsläufig mit der Realität auseinandersetzen müssen, daß man ohne Auto nicht wirklich weit kommt. Viele der großen Städte sind sehr weitläufig und können sich gut und gerne über viele Meilen ausdehnen. Zwar gibt es auch öffentliche Verkehrsmittel und die Möglichkeit, mit dem Fahrrad zu fahren. Letzteres ist aber ziemlich gefährlich und aufgrund der Distanzen nicht wirklich zu empfehlen.

Lenkrad links

Zunächst könnt Ihr aber beruhigt sein. Ihr müßt nicht zwangsläufig einen Internationalen Führerschein vorweisen können, um in den USA ein Auto fahren zu dürfen. Da das Land jährlich von Millionen von Touristen besucht wird, sind natürlich auch die Mietwagen-Firmen mit sämtlichen Führerschein-Varianten vertraut. Daher werden auch die gängigen rosafarbenen und Scheckkarten-Führerscheine akzeptiert. Selbst noch ältere Führerscheine sind bekannt, allerdings fährt man besser, wenn die relevanten Daten auch in englischer Sprache vermerkt sind. Dies kann speziell im Alltag eine Rolle spielen, sei es, daß Ihr unerwartet in eine Polizeikontrolle kommt oder Euch beim Bezahlen mit der Kreditkarte in einem der vielen Freizeitparks ausweisen sollt.

Im Gegensatz zu England und seinen Kolonien, zum Beispiel Australien, wird in Amerika auf der rechten Seite gefahren. Auch ist das Verkehrsbild der meisten Städte von vielen mehrspurigen Straßen geprägt, um die schiere Menge an Fahrzeugen einigermaßen bewältigen zu können und nicht jeden Tag in einem Verkehrschaos enden zu lassen. Während – wie in Europa auch – viele kleinen Straßen nur einspurig ausgelegt sind, sind Hauptadern in der Regel zwei- bis dreispurig konzipiert, große Freeways und Highways sogar vier- bis sechsspurig.

carpool lane – Fahrgemeinschaften

Häufig werden Euch auf den Free- und Highways Spuren auffallen, die von den anderen durch eine doppelte gelbe und durchgezogene Linie abgetrennt sind. Bei diesen Sonderspuren handelt es sich um die so genannten carpool lanes oder high-occupancy vehicle lanes (HOV lanes), die ausschließlich Fahrgemeinschaften vorbehalten sind.

Fahrgemeinschaften sind alle Fahrzeuge, die mit mindestens zwei oder mehr Personen belegt sind, die genauen Regeln finden sich meist an den Beschilderungen auf den Free- und Highways. Verstöße gegen diese Regelungen werden mit meist hohen Strafen geahndet. Nur Motorräder sind von dieser Regelung ausgenommen.

Obwohl diese Sonderspuren bereits seit mehreren Jahren existieren, begegnen mir auch heute noch immer wieder zahlreiche Mietwagen, die aus Angst oder Unwissenheit auf deren Nutzung verzichten. Ich selbst habe mit meiner Lebensgefährtin den Komfort der carpool lanes sehr schnell schätzen gelernt. Gerade als Tourist, der in relativ kurzer Zeit viel erleben möchte, kommt man auf diese Weise sehr viel schneller zu seinem Ziel, da man – speziell in den Stoßzeiten früh und am Nachmittag – sich nicht im Stau einreihen und in den Metall-Lawinen mitschwimmen muß, sondern relativ entspannt links am Stau vorbei fahren kann.

Auch wenn die Ein- und Ausfahrt für carpool lanes eigentlich streng geregelt ist – durch Unterbrechung der gelben durchgezogenen Linie – darf man sich als Nutzer nicht blind darauf verlassen. Immer wieder gibt es Fahrer, die plötzlich aus dem fließenden Verkehr aus- und in die carpool lane einscheren.

Alle Spuren gleichberechtigt

Was in Deutschland aufgrund der traditionellen Verkehrsregeln undenkbar ist, gehört in Amerika nicht nur zum ganz normalen Alltag, sondern trägt auch wesentlich zum entspannten Fahren bei: alle Spuren sind gleichberechtigt, sowohl in der Stadt als auch den Free- und Highways.

Schon deswegen empfinde ich das Autofahren in den USA als wesentlich angenehmer. Auch in Amerika gilt die eigentlich simple Verkehrsregel slower traffic keep right – langsamere Fahrzeuge rechts fahren. Viele halten sich jedoch genauso wenig daran wie in Deutschland. Doch während es hierzulande immer wieder zu brenzligen Situationen auf den Autobahnen kommt, weil arrogante und selbstgefällige Autofahrer der Meinung sind, auf einer dreispurigen Autobahn konsequent die Mittelspur zu benutzen, obwohl die rechte Spur auf Kilometer frei ist, fahre ich in den USA einfach auf die rechte Spur, um meinen langsamen Vordermann zu überholen, ein ganz normaler Vorgang, der auf Amerikas Straßen tagtäglich millionenfach praktiziert wird.

Dadurch fließt der Verkehr allgemein flüssiger und alle kommen sehr viel besser voran. In Deutschland wird man jedoch schief angesehen, angehupt oder sogar von selbsternannten Autobahnsheriffs mit einer Anzeige wegen angeblicher Verkehrsgefährdung bestraft.

Apropos Verkehrsgefährdung: an den Auffahrten zu Freeways und Highways werdet Ihr oftmals feststellen, daß diese über eine sehr kurz geschaltete Ampelanlage geregelt sind. Damit wird dafür gesorgt, daß nicht unkontrolliert auf die Freeways und Highways aufgefahren wird. Vielmehr bedeutet diese Ampel, daß pro Grünphase nur ein Auto fahren darf, bei zweispuriger Auffahrt zwei Autos.

Geschwindigkeitsbegrenzungen in den USA

Da man aber in den USA ohnehin nicht so schnell fahren darf, auch nicht auf Freeways und Highways, passieren hier auch weniger Unfälle. Auf den amerikanischen Autobahnen herrscht eine Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen 65 und 70 Meilen pro Stunde, also umgerechnet 100 bis 110 km/h. Und laßt Euch bitte nicht dazu verleiten, diese Geschwindigkeitsbegrenzungen zu übertreten: deren Einhaltung wird nicht nur durch Radarfallen überwacht, sondern auch durch Polizeistreifen wie die Highway Patrol und ebenso aus der Luft durch Verkehrsflugzeuge und -helikopter. Auf erwischte Temposünder warten drakonische Strafen.

Mit dem Unerwarteten rechnen

Ob man nun der Meinung ist, daß Amerikaner verantwortungsvoller oder chaotischer fahren, auf jeden Fall nehmen die amerikanischen Verkehrsteilnehmer allgemein mehr Rücksicht aufeinander. Trotzdem sollte man eher mit dem Unerwarteten rechnen und stets vorausschauend fahren. Ich verspreche Euch aus eigener Erfahrung: bereits nach wenigen Tagen bekommt man ein Gefühl für den amerikanischen Verkehrsfluß und kann ganz entspannt mitschwimmen …

 


Bild: amerikanischer Freeway; Quelle: BartEverett Photography


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